Kleine Zellen, die Leben retten können
Text: Karin Keding
Wenn ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt, ist das ein ganz besonderer Augenblick. Ein Moment, in dem die Welt für die frisch gebackenen Eltern kurz stehen zu bleiben scheint. Ein Moment, in dem das Leben eines klitzekleinen Menschen beginnt und in dem sich die Eltern nur das Beste wünschen für dieses zerbrechliche Wesen, das so zart in ihren Armen liegt und eines Tages ganz selbständig seinen eigenen Weg gehen wird.
Als der kleine Lukas auf die Welt kommt, scheint das Glück der jungen Familie schier grenzenlos. Doch der Junge bleibt in seiner Entwicklung hinter den Fortschritten Gleichaltriger zurück, denn er wird bereits mit einer Hirnschädigung geboren. Ein Schock für die Eltern als ihnen diese Diagnose mitgeteilt wird. Inzwischen ist Lukas vier Jahre alt und hat vor wenigen Wochen eine ganz besondere Therapie erhalten: er wurde in den USA mit seinen eigenen Stammzellen behandelt. Eine Form der Therapie, die noch in ihren Kinderschuhen steckt, aber dennoch jeden Tag neue Erkenntnisse und Fortschritte zutage bringt.
Die mögliche Wirkung der Stammzellen bei Hirnschädigungen erklärt Dr. Johannes Boltze, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut so: »Es gibt deutliche Hinweise, dass die Stammzellen nicht etwa neue Nerven bilden oder das Hirngewebe ersetzen, wie man lange annahm. Die Ergebnisse deuten vielmehr daraufhin, dass das Nervengewebe, das sich an der Schwelle zwischen Leben und Tod befindet, in seiner Regeneration unterstützt wird. Diese Zellen können wir also möglicherweise retten.«
Stammzellen gelten in der Medizin als Hoffnungsträger für eine Vielzahl von Behandlungen. Und die Hoffnung, dass es eines Tages auch ihrem Kind einmal helfen könnte, veranlasst von Jahr zu Jahr mehr Eltern, das Nabelschnurblut ihrer Kinder aufzubewahren. Denn im Blut der Nabelschnur stecken besonders viele Stammzellen, die kurz nach der Geburt schnell und problemlos entnommen und aufbewahrt werden können. Zwar können Stammzellen zu Therapiezwecken auch aus dem Knochenmark gewonnen werden, doch nur die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind so zahlreich, jung, vital und gesund wie bei der Geburt. »Diese Stammzellen sind sehr unreif. Dadurch sind sie in der Lage, sich in unterschiedliche Zellen zu entwickeln, etwa in Herz-, Blutgefäß- oder Nervenzellen«, beschreibt der Stammzellexperte Dr. Eberhard Lampeter die Vorteile der Nabelschnurblutstammzellen.
Ein einziges Mal haben Eltern diese besondere Chance, die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut zu bewahren, und ihrem Kind damit vielleicht später lebensrettende Maßnahmen zu ermöglichen: direkt nach der Geburt. Deshalb hat Dr. Eberhard Lampeter 1997 die Nabelschnurblutbank Vita 34 gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Leipzig bietet Eltern die Entnahme und Konservierung der wertvollen Stammzellen aus der Nabelschnur an. Dabei sind es nur wenige Schritte, die Eltern in die Lage versetzen, ihrem Kind eine vielleicht lebensnotwendige Hilfeleistung zu ermöglichen.
Sobald sich die werdenden Eltern entschieden haben, die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut einlagern zu lassen, teilen sie dies einer Nabelschnurblutbank wie Vita 34 mit und stellen einen Antrag per Telefon, Post oder Internet. Nachdem die Auftragserteilung eingegangen ist, kümmert man sich dort um den weiteren Ablauf. Rechtzeitig vor dem errechneten Geburtstermin erhalten die Eltern das sogenannte Entnahmeset, das die werdende Mutter zur Entbindung mit in den Kreißsaal nimmt. Dort wird es vom Personal entgegen genommen und alle weiteren Schritte eingeleitet. Die werdenden Eltern brauchen sich um nichts zu kümmern. Sobald das kleine Menschlein dann auf der Welt ist, sorgt das medizinische Personal vor Ort für die Entnahme des Nabelschnurbluts, während Mutter und Kind die ersten Minuten miteinander verbringen.
Der Spezialkurier von Vita 34 bringt das wertvolle Nabelschnurblut anschließend an jedem Tag des Jahres unmittelbar in das Stammzell-Labor in der Leipziger Bio-City. Dort wird es in hochsterilen Räumen untersucht, aufbereitet, auf minus 145 Grad Celcius abgekühlt und anschließend in stromunabhängigen Kältetanks gelagert. Die extreme Kälte sorgt dafür, dass der Stoffwechsel der Stammzellen vollkommen zum Erliegen kommt und die Zellen damit nicht altern. Erst, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, werden sie wieder entnommen.
So wie bei Lukas, dessen Eltern sich für eine Behandlung mit seinen eigenen Stammzellen entschieden haben. Nachdem sie den Entschluss gefasst haben, ihrem Sohn die bestmögliche medizinische Behandlung zu ermöglichen, geht alles sehr schnell. Die bei Vita 34 eingelagerten Stammzellen werden durch die Nabelschnurblutbank an die behandelnde Klinik übermittelt. Dort angekommen, wird das Nabelschnurblut wieder aufgetaut und steht wenige Minuten später zur Verwendung bereit. Prof. Dr. Joanne Kurtzberg, die schon mehr als 180 Kinder mit Hirnschäden mit ihrem eigenen Nabelschnurblut behandelt hat, führt auch die Therapie bei Lukas durch und lässt Lukas Stammzellen in die Vene seines rechten Arms fließen.
Heute, nur vier Monate nach der Therapie, zeichnen sich erste Erfolge am Gesundheitszustand des Vierjährigen ab. »Lukas geht es sehr gut. Wir haben das Gefühl, dass sich seine Entwicklung seit der Behandlung beschleunigt hat. Seine verbale Kommunikation hat sich deutlich verbessert, er stellt viele gute Fragen und erklärt seinem kleinen Bruder nun Bildergeschichten«, bestätigen Lukas Eltern die Fortschritte nach Durchführen der Therapie. Lukas Geschichte gibt auch anderen Eltern Mut, an den Erfolg der Stammzellentherapie zu glauben und die Hoffnung, dass die Wissenschaft immer mehr Möglichkeiten findet, Stammzellen so einzusetzen, dass Kindern wie Lukas geholfen werden kann. Mit der Einlagerung des Nabelschnurblutes gehen Eltern einen ersten Schritt, damit dies überhaupt erst möglich wird.
Unser Tipp:
Wie die Arbeit bei einer Nabelschnurblutbank aussieht und wo genau die wertvollen Stammzellen gelagert werden, können Eltern und Interessierte jeden Tag in Leipzig erleben. Vita 34 lädt regelmäßig zu Eltern-Infomationsabenden rund um das Thema Stammzelleneinlagerung und gestattet seinen Besuchern außerdem einen Blick hinter die Kulissen – in die Labore und Aufbewahrungsorte des Stammzellblutes. Vorab können Interessierte das Laboratorium von Vita 34 auch online unter www.vita34.de/labor besichtigen.






