Bücher, Bücher, nichts als Bücher ...
Weithin sichtbar steht mitten in Leipzig in direkter Nachbarschaft zum Alten Messegelände ein hohes, fensterloses Bauwerk: grau-weiße Türme ragen kompakt bis zu 55 Meter in die Höhe. Was mag sich hinter den Mauern des mit über 50.000 Fliesen verkleideten Baus verbergen?
Die Antwort gibt uns das Gebäude am Deutschen Platz selbst. Steht man direkt davor, sieht man in etwa zehn Metern Höhe eine hellrote Röhre, die den kompakten Turmbau mit einem wunderschönen, alten Gebäude verbindet - dem Haupthaus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Die glatten, sachlichen Türme sind, wenn man so will, der Bauch, sind das Magazin der Bibliothek. Hier lagert ein einmaliger Schatz: Millionen von Büchern, Schriften, Zeitungen, Zeitschriften, Karten und anderen Drucken. Und fortwährend kommt Neues hinzu. Über tausend Druckerzeugnisse treffen pro Tag in der Bibliothek ein, denn per Gesetz muss die Nationalbibliothek von allen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, allen Karten- und anderen Drucken, die in Deutschland erscheinen und auch von der deutschsprachigen Literatur im Ausland, ein Exemplar zur Aufbewahrung erhalten. Die knapp 300 Mitarbeiter der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig sichten, ordnen und katalogisieren die ankommenden Erzeugnisse und bewahren sie für die Nachwelt und natürlich für die Nutzer der Bibliothek auf.
Dicht an dicht reihen sich dafür in den Magazintürmen Regale unterschiedlichster Größe. Der Blick hinein in diese Schatzkammer der gedruckten Worte bleibt allerdings Besuchern verwehrt. »Der Zutritt ist nur Mitarbeitern gestattet«, erklärt Ulrike Merrem, die als Museumspädagogin in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig arbeitet und für Gästeführungen und Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen im Haus zuständig ist. Durchs Fenster zeigt sie auf die Verbindungsröhre. »Noch bis vor kurzem konnten Besucher manchmal in sie hineinschauen«, erzählt sie weiter »Hier rollen nämlich - wie von Geisterhand bewegt - die kleinen gelben Transportwagen mit Büchern beladen hin und her«, beschreibt die Bilbliotheksmitarbeiterin das spannende Innere der Röhre. Die Wägelchen, die man bei der Buchausgabe wiedersieht, bringen zum Lesen bestellte Literatur ins Hauptgebäude und danach wieder zurück in den Bücherturm. »Jetzt darf man nicht mehr in die Röhre«, bedauert Ulrike Merrem, »weil genau unter ihr eine riesige Baugrube für den vierten Erweiterungsbau der Nationalbibliothek ausgehoben ist.«
Schauen wir uns also in dem 1916 eingeweihten Hauptgebäude der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig um. Im großen, lichtdurchfluteten Foyer fällt sofort auf, das niemand der Besucher bei der Anmeldung Bücher zurück gibt oder sich welche in die Tasche steckt. Anders als in anderen Bibliotheken dürfen die Leser der Nationalbibliothek die bestellte Literatur nicht mit nach Hause nehmen. Gelesen wird ausschließlich vor Ort. »Wir sind eine Präsenzbibliothek«, erklärt Ulrike Merrem. Deshalb gibt es im Haus verschiedene, sehr große Lesesäle. Mal altehrwürdig, mal sachlich-nüchtern eingerichtet. 450 Bibliotheksnutzer können hier gleichzeitig von 08:00 bis 22:00 Uhr montags bis freitags und samstags von 09:00 bis 18:00 Uhr arbeiten. Überwiegend Studenten und Wissenschaftler sieht man über Bücher und Schriften gebeugt, aber auch andere Leser schauen angespannt in die ausgeliehenen, wertvollen Unterlagen. Nur Kinder sind nicht dabei, denn erst ab 18 darf man die Bibliothek nutzen. So herrscht in den Lesesälen eine Atmosphäre intensiver Arbeit und großer Ruhe.
Schulklassen und Jugendgruppen sind dennoch im Haus am Deutschen Platz willkommen. »Wir bieten für die jüngsten Besucher unterrichts- oder projektbezogene oder für die Feriengestaltung geeignete Veranstaltungen und Führungen in unserem Deutschen Buch- und Schriftmuseum an«, erklärt Ulrike Merrem. Beispielsweise erleben Kinder die ständige Ausstellung "Merkur und die Bücher - 500 Jahre Buchplatz Leipzig" zugeschnitten auf ihr Alter. Sie sehen nicht nur sehr alte Drucke, sondern auch Maschinen und Gerätschaften für die Buchherstellung und erfahren zu ihnen spannende Geschichten. Oder: Die Veranstaltung "Wie alt sind unsere Bücher?" lässt die Vorläufer des Buches, Tontafeln, Papyrusrollen, Palmblätter und Wachstafeln wieder lebendig werden - Schätze die in der Deutschen Nationalbibliothek sorgfältig aufbewahrt und heute den Kindern gezeigt werden können.
Für diese und weitere Kinderveranstaltungen sind rechtzeitige Voranmeldungen nötig. Je nach Alter der Kinder dauern die Besuche 60 bis 120 Minuten und kosten für Gruppen 1 Euro pro Person. Ohne Voranmeldung kann man, auch ganz in Familie, eine öffentliche Führung durch das wunderschöne, fast einhundertjährige Hauptgebäude der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig besuchen. Sie starten um 11:00 Uhr und finden jeden dritten Sonntag im Monat statt.






