Kribbelbunt

http://www.kribbelbunt.de




Der kleine Angsthase?

Unser KIDS und Co Experte, Doktor der Psychologe und Dozent in der Erzieherausbildung, Dr. Jürgen Scharrenberg, klärt auf über einen Gefühlszustand, der gerade auch in der Erziehung und Entwicklung unserer Kinder eine Rolle spielt. Hier erfahren Sie Hintergründe aber auch, wie Sie Ängsten am besten begegnen.

"Hab doch keine Angst", so lautet der wohlgemeinte Rat vieler Eltern an ihre Kinder, obwohl sie aus eigener Erfahrung wissen, dass der Umgang mit der eigenen Angst auch nicht immer problemlos gelingt. Viele der Eltern können sich wahrscheinlich an eine schlaflose Nacht erinnern, in der die Angst an ihrer Seite war, weil krank gewordenen Kinder vor sich hinweinen. Auch die zunehmende Selbstständigkeit des eignen Nachwuchses können Gefühle des Stolzes und der Hoffnung bei den Eltern bewirken. Bei ihnen mischen sich doch häufig auch Verlustängste unterschiedlicher Stärke hinzu.

Was versteht man unter der Angst?
Dies ist eine häufig gestellte Frage, sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen. In der Fachliteratur wird die Angst gekennzeichnet als ein beklemmender, bedrückender und unangenehm erlebter Ich-Zustand, der für den einzelnen Menschen oftmals eine Bedrohung darstellt und mit physiologischen Vorgängen im Organismus verbunden ist. Kinder klagen so zum Beispiel über Bauchweh und Übelkeit, wenn sie sich vor neuen Lebenssituationen ängstigen oder mit Grauen an die nächste Klassenarbeit in der Schule denken. Dass auch das gesamte Verhalten einer Persönlichkeit individuell von der Angst beeinflusst wird, ist eindrucksvoll im Märchen "Der kleine Angsthase" dargestellt.

Welche Besonderheiten hat die Angst?
Im Zusammenhang mit der obigen Formulierung des Wesens der Angst ist davon auszugehen, dass das Angsterleben durch einige Merkmale gekennzeichnet werden kann. So ist der unangenehme Ich-Zustand in der Regel mit einer gedanklichen Vorwegnahme einer zukünftigen unangenehmen und belastenden Situation verbunden. Beispielsweise kann Angst erlebt werden in Erwartung zukünftiger Familiensituationen bei Trennung der Eltern oder in Folge von Krankheit einzelner Familienmitglieder.

Wird von den Eltern befürchtet, dass Aufgaben in den verschiedensten Lebensbereichen nicht bewältigt werden können, wie beispielsweise der erste Schultag der Kinder oder der eigene Start der Eltern im neuen Betrieb, so sind bedrohliche Gedanken enge Begleiter erlebter Ängste. Ähnlich werden solche Lebenssituationen, wie die Auseinandersetzung von Kindern auf dem Spielplatz oder Prüfungen aller Art im späteren Leben erlebt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die eigenen Angstgefühle zutiefst subjektiv sind, dass also jedes Kind, als auch Mutter und Vater diese Gefühle in spezifischer und einmaliger Weise erleben. Dabei kommt der mehr oder weniger bewussten Bewertung einer bedrohlichen Situation eine entscheidende Bedeutung zu.

So ist die Klassenarbeit, der Streit um das neue, schöne Feuerwehrauto oder der baldige Besuch von Nikolaus und dem Weihnachtsmann für so manches Kind mit realen Angstgefühlen verbunden. Andere Kinder haben ein genügend hohes Selbstbewusstsein und können sich ihrer Sache sicher sein und sich deshalb kaum vor solchen Situationen ängstigen. Insbesondere dann nicht, wenn sie die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse und Ziele nicht bedroht sehen.

Kinder oder Erwachsene können aber auch eine Bedrohung der eigenen Lebenslage fälschlicherweise annehmen, obwohl sie real nicht besteht. So kann ein Kind "fremdeln", wenn es im Kleinkindalter der freundlichen Arbeitskollegin der Mutter vorgestellt wird und der netten Tante die Hand geben soll. Wird das Gefühl der Angst erlebt, so ist es für das jeweils betroffene Kind jedoch immer real. Es verschwindet auch nicht immer automatisch bei der Erteilung gut gemeinter Ratschläge oder durch Aufmunterungen der Eltern gegenüber ihren Kindern.

Wovor kann man Angst haben?
Man kann Angst haben vor Personen bzw. Personengruppen, vor Einrichtungen, wie zum Beispiel vor dem Kindergarten, vor der Schule, vor Gegenständen, wie Autos, oder vor Lebewesen aller Art, vor Umwelt- oder Klimakatastrophen, ebenso vor Krieg, vor Krankheit und ihren Folgen oder sogar vor dem Tod. Unsere Erfahrung lehrt uns, dass die Angst oft mit einem bestimmten Sachverhalt verbunden wird, der real gefährlich sein kann, oder nur in der Vorstellung existiert.

Was bewirkt die Angst und wie sollte man ihr begegnen?
Jeder von uns Erwachsenen kennt aus Erfahrung, dass der Organismus auf Angsterlebnisse unterschiedlich stark mit physiologischen Vorgängen, wie beispielsweise mit stärkerer Schweißabsonderung, mit Veränderung der Atemfrequenz, mit schnellerem Herzschlag, mit Magendrücken, mit Muskelanspannung oder ebenso mit Erröten bzw. Erbleichen reagiert. Da diese Reaktion des Organismus für andere oftmals erkennbar sind, fühlt sich derjenige, der die Angst gerade erlebt, durch den Beobachter ertappt bzw. beschämt, insbesondere, wenn die beobachtenden Eltern noch besonders auf die besagten Symptome hinweisen.

Allzu oft wird der Mensch, der Angst erlebt und dies in den Reaktionen des Organismus ebenso erkennen lässt wie in seinem Verhalten oftmals durch seine Mitmenschen herabgesetzt beziehungsweise abgewertet. Hierin besteht sicherlich auch ein Grund, warum Eltern sich wünschen, dass ihre Kinder keine Angst haben sollen beziehungsweise weshalb sie ihre Kinder dazu anhalten mögliche Angsterlebnisse vor ihren Mitmenschen zu verstecken.

Haben sie damit Recht oder gehören die Angstgefühle untrennbar zum Leben des Menschen?
Aus den Erfahrungen unseres eigenen Lebens im Umgang mit uns selbst und mit unseren Kindern sollten wir uns vergegenwärtigen, dass erlebte Ängste bei Kindern aber auch bei uns Erwachsenen entweder eine gesteigerte Reaktion bewirken können und damit die eigene Leistungssteigerung zum Beispiel in Notsituationen oder in Prüfungssituationen hervorrufen können. Angst kann bekanntlich aber auch das Gegenteil bewirken und den Menschen in seinem Verhalten lähmen.

Ein Kind, das sein Gedicht zum Jubiläum des Vaters gut gelernt hat, ist möglicherweise durch Lampenfiber so aufgeregt und durch Auftrittsangst so blockiert, dass ihm der Text teilweise oder ganz nicht mehr einfällt. Neben dieser als negativ erlebten Funktion der Angst muss jedoch auch ihre positive Wirkung auf die Regulierung des Handelns des Menschen gesehen werden. Angstgefühle können eine regelrechte Schutzfunktion für die Kinder, aber auch für uns Erwachsene haben, indem sie uns hemmen, leichtfertig in Gefahrensituationen hineinzugehen oder leitsinnig zu handeln. Angst zu haben, ist also nicht nur eine normale Fähigkeit von uns Menschen, sondern zugleich auch eine sehr nützliche Funktion. Denn Angstreaktionen schützen uns vor Gefahren, indem sie uns schnell und zuverlässig warnen- schneller, als wir denken können.

Das muss auch so sein, denn in Gefahrensituationen ist es sehr sinnvoll, blitzschnell zu reagieren, zum Beispiel zur Seite zu springen, wenn ein Auto auf uns zurast, oder uns sofort festzuhalten, wenn wir ausrutschen und hinzufallen drohen. In solchen Beispielen wird die Schutzfunktion der Angst für uns Menschen deutlich. Dafür kann sicherlich in Kauf genommen werden, dass die körperlichen Anteile der Angstreaktion oft als recht unangenehm erlebt werden, wie zum Beispiel Atmnot, Unruhe, Übelkeit oder sogar Durchfall. Diese Symptome werden jedoch in wirklicher Gefahr kaum gespürt, weil sich die ganze Aufmerksamkeit auf die Rettung und Bewältigung der Gefahr richtet.

lesen Sie hier weiter

Wählen Sie Ihre Stadt

  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So