Kribbelbunt

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»Lass los und gewöhn' Dich jetzt schon daran, dass sie Dich irgendwann nicht mehr mit dem Arsch angucken«

Thomas D, Sänger der Fantastischen Vier, Solist und Lebenskünstler, hat vor knapp zehn Jahren gemeinsam mit Freunden ein alternatives Wohn- und Lebensprojekt ins Leben gerufen: M.A.R.S. Hier in der Eifel lebt er mit seiner Frau Tina, den Kindern Lya Sophia und Max und anderen Künstlern zusammen. Wir hatten Gelegenheit, den erfolgreichen Künstler, Familienvater und "Hausmeister" vom M.A.R.S. nach seinen Ansichten und Erfahrungen zu fragen.

Thomas, Du hast eine Frau und bist zweifacher Papa - wie intensiv gestaltet sich das Familienleben bei Dir daheim?
»Ja, da ich auf Grund meines Jobs auch oft daheim bin, kann ich natürlich in der Zeit auch mehr mit anpacken. Momentan ist unser Sohn Max vier Monate alt - Milch kann ich ihm noch keine geben, aber ich kann ihn zwischendrin mal halten, mal schaukeln, mal um die Ecke bringen…äh… fahren (lacht), na ja, Sie wissen schon, damit das Geschrei nicht bis zur Mutter vordringt. Nachts stehe ich dann manchmal mit auf oder reich' ihn weiter: "Oh, das Kind schreit, hier nimm Du mal!" Heute Morgen bin ich auch aufgestanden, um 5:30 Uhr, aber darin bin ich nicht gut, ich glaub, ich bin besser darin, um 05:30 Uhr ins Bett zu gehen (lacht).
Ansonsten, mit unserer Tochter, die ist ja jetzt schon fünf, die ist ja quasi erwachsen, meint sie zumindest, da gestaltet sich das alles wesentlich entspannter, weil sie natürlich schon sehr viel selber macht. Da geht's eher darum, abends: Wer putzt die Zähne? (Thomas ahmt seine Tochter nach) "ÄHH, Mama soll das machen!". Zieh den Schlafanzug an! "Neiiin, Mama macht das!" - Aha, also bin ich da auch raus aus allem… (lacht), da darf ich grad' gar nichts.«

Wie streng kann Papa Thomas D sein, wenn seine Sprößlinge frech werden?
»Also unsere Tochter ist sehr gut erzogen, Gott sei Dank. Noch! Die Schule wird sie spätestens versauen, nehme ich an. Lya weiß schon, was man darf und was nicht und sie hält sich zurück. Sie fängt jetzt an, mir die Zunge rauszustrecken, aber sie weiß schon, wir machen dann nicht ernst. Wenn sie ernsthaft was nicht soll, dann checkt sie das auch und lässt das dann.«

Was ist Dir bei der Erziehung Deiner Kinder besonders wichtig?
»Das Schlimme ist, die Kinder wachsen zu Menschen heran, die man selber zum Beispiel gar nicht geheiratet hätte oder auch nicht adoptieren würde. Sie werden eigenständige Personen. Ich glaube, wenn man seine Kinder nicht schlägt, hat man schon das meiste richtig gemacht. Also: Bloß keine Gewalt, Leute! Man muss es irgendwie anders ausdiskutieren. Und viel mehr kann man nicht machen! Gib ihnen viel Liebe und lass sie gehen! Lass los und gewöhn Dich jetzt schon daran, dass sie Dich irgendwann nicht mehr mit dem Arsch angucken, weil sie einfach andere Interessen haben. … auch die werden halt Menschen und sie werden so 'nen Scheiß bauen, wie wir früher oder es jetzt noch tun. Da hält Dich und Deine Kinder nichts davon ab. Also da müssen wir durch. Deshalb glaub' ich, entspannt zugucken, wohlwollend eingreifen, wo es geht, aber auch lassen.«

Welche Werte möchtest Du Deinen Kindern mit auf den Weg geben?
»Klar will ich Werte mit auf den Weg geben! Das fängt bei uns da an, dass wir daheim natürlich keine Tiere essen - äh, auch außerhalb nicht… also wir essen keine Tiere (lacht). Wir sind ja alle Vegetarier auf unserem Hof und unsere Tochter natürlich auch, und sie setzt sich schon mal ganz anders mit dem Thema auseinander. Während andere Kinder aus dem Kindergarten eben Wurst essen, sagt sie: "Ich esse nur Wurst, die nicht von Tieren kommt!" Und das gebe ich ihr jetzt mit. Vielleicht führt das ja auch zu einer Gegenrevolution und sie wird in irgendeinem Fastfood-Laden arbeiten später oder so - man weiß es nicht. Ansonsten natürlich… Gewalt ist keine Lösung und versuchen, mit Leuten zu reden. Wenn jemand blöd ist zu Dir, dann geh' lieber weg. Nicht hauen, keine Gewalt - so Basics, das find ich wichtig!«

Wie hat sich Dein Leben durch Deine Familie verändert?
»In meinem Leben hat sich alles verändert, würde ich sagen. Es ist natürlich ein komplett anderes Ding! Früher hing ich daheim rum und hab mir gesagt: och jetzt könnt ich mal ein bisschen schreiben und hab mich dann drei Stunden in mein Zimmer gesetzt und hab dann nachgedacht. Und das konnte ich zu jeder Tages- und Nachtzeit machen. Und jetzt weiß ich, die Kleine sollte eigentlich um acht im Kindergarten sein. Wenn der Papa sie bringt, schaffen wir es um halb zehn. Das hängt dann mehr an mir wahrscheinlich. Aber ich steh' auf und bin angezogen, sie steht auf und muss sich erst mal raussuchen, was sie denn heute für rosa Sachen anzieht. Und so geht das dann den ganzen Tag! Alles wird natürlich ausgerichtet nach den Kindern. Wann holen wir sie wieder ab oder fährt Lya heute mit dem Bus? Jetzt geht sie dienstags mit dem Papa Schwimmen und dann will sie auch Reitunterricht nehmen… Der Sohnemann hat noch nicht so viele Interessen, außer Milch, Milch, Milch! (lacht) Ich meine, also alle Menschen die Kinder haben, wissen, wovon ich spreche!«

Was sind die schönsten Momente mit Deinen Kindern?
»Also wenn Ihr Euer Leben nicht gerne aufgeben mögt, dann überlegt Euch das gut! Aber natürlich ist es gleichzeitig die unglaublichste Erfahrung, die man machen kann! Ich meine hey, ich würde meine Kinder natürlich nie mehr hergeben wollen, das ist klar! Und wenn man das mit seinen eigenen Eltern mal reflektiert, wie so ein Mensch entsteht, wie jeder von uns mal so ein kleiner Hosenscheißer war, der einen mit solchen Augen ansieht… Wenn unser Sohn Max dann mit drei Monaten anfängt zu lächeln: "Oh Gott ja, endlich gibt er was zurück von den letzten drei Monaten…" Davor guckte er nur so missmutig, leicht skeptisch - so "Ich kenn Euch nicht, was wollt Ihr von mir?" Und jetzt fängt er an zu strahlen und da möchtest Du nur dahinfließen!«

Du hast zwei Kinder, wie groß ist da der Stressfaktor gegenüber nur einem Kind?
»Ja, ja, es wird weniger. Tatsächlich waren wir bei der Lya, bei unserer ersten Tochter viel motivierter beide. Mittlerweile, das Zweite läuft so nebenher. "Hier, das stinkt, mach mal!" Ja, muss man machen… aber tatsächlich ist man da legerer, entspannter auch, was ich gut find'! Beim ersten war es ja so: "Es schreit nicht, lebt es noch? (lacht) Also dieses: es schreit, es schreit, es schreit - nicht mehr, ich muss hingehen und gucken! Und bei unserem Sohn bin ich gestern, nachdem ich das Babyfon hatte und selber noch in der Werkstatt war, die ich mir gerade baue, nur zweimal ins Zimmer gelaufen, weil ich dachte - kann doch nicht sein, der schreit nicht, nachher ist das Babyfon kaputt… Bin also in den vier Stunden nur zweimal kontrollieren gewesen - ja, man wird entspannter!«

Was macht Thomas D so richtig glücklich?
»Die Kinder, die Frau und die Musik!«

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