Kribbelbunt

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»Märchen sind näher an der Wahrheit als heutige Medien!«

(Andreas vom Rothenbarth)

Dies ist kein Märchen: »Die BILD-Zeitung oder ein gewöhnlicher Radiosender verbreiten einen Wortschatz von etwa 1.500 bis 2.000 Wörtern, eine Tageszeitung oder ein Kultursender etwa 4.000 bis 7.000. »Und nun raten Sie, mit wie vielen Worten Sie von den Märchensammlungen der Gebrüder Grimm versorgt werden?« »Mhhhm, … vielleicht 5.000?« »….Nein, ganze 20.000! Und gerade wenn Kinder schon möglichst früh diesen vielen Worten aus den Märchen begegnen, bildet das einen Vorsprung für ihr Sprachverständnis, der später nicht aufzuholen ist!« - Weise Worte, die von jemandem stammen, der es wissen muss: dem Märchenerzähler Andreas vom Rothenbarth.

»Seit vielen hundert Jahren…«, so erzählt uns der Fachmann mit dem rötlich schimmernden Rauschebart schmunzelnd, erfreue er Jung und Alt nun schon mit seinen Geschichten. »Als Märchenerzähler kann man außerhalb der Zeit stehen«, verdeutlicht der Experte mit neckischem Blick. Doch gerade jetzt, »in unserer Zeit, hat man Märchen nötiger als in anderen Zeiten zuvor.«

Mit welchen Märchen er seine Zuhörer begeistert, ist gerade bei Kindern eine unnötige Frage. Andreas vom Rothenbarth entscheidet selbst meistens aus dem Bauch heraus. Erst wenn sein kleines Glöckchen den Eröffnungsreigen ausklingen lässt, weiß er, welches Märchen er aus seinem Fundus auswählt. Mehr als 60 Geschichten und Märchen hat er stets abrufbar in seinem Kopf, 80 Prozent von diesen stammen aus den Büchern der Gebrüder Grimm. Allerdings bilden nicht nur Kinder sein begeistertes Publikum, zur Hälfte sind es auch Erwachsene, die sich in die Welt seiner Märchen begeben. Während er bei seinen kleinen Lauschern ein nachtblaues, mit goldenen Punkten bedecktes Gewand trägt, muss jedoch der Showeffekt bei den Erwachsenen noch etwas spektakulärer und das Kostüm passend zum Programm gewählt sein.
Auch hier ist die Vielseitigkeit vom Wikinger, über den russischen Recken bis hin zum orientalischen Herrscher garantiert.

Beeindruckend ist, dass der hünenhafte Erzähler die Kleinen und Großen nicht nur mit seinem rhetorischen Talent zu begeistern weiß. Er ist auch geschickt im Umgang mit Nadel, Faden und Schere und schneidert fast alle seine Kleider selbst. »Kein Kunststück«, sagt er bescheiden, denn sein Vater war ein Schneider. »Das Kostüm ist für meine Vorstellung sehr wichtig. Denn während der Geschichte trete ich zurück, verschwinde allmählich, bis ich nicht mehr als Erzähler präsent bin. Das ist auch mein schönster persönlicher Erfolg, wenn Groß und Klein ihre alltäglichen Sorgen für kurze Zeit vergessen und meinen Worten ganz aufmerksam lauschen.«
Besonders dann, wenn die Tage wieder kälter werden, die märchenhafte Weihnachtszeit naht und Magie und Wunder wieder verstärkt die Phantasie der Menschen beflügeln, herrscht für Andreas vom Rothenbarth Hochsaison. »Es ist schön, wenn ich die jungen und älteren Menschen unverhofft im Gewimmel eines Kaufhauses oder auf dem Weihnachtsmarkt, während der ganzen stressigen Festvorbereitungen als Zuhörer gewinne. Leider ist es heute oft der Fall, dass viele es gar nicht gewohnt sind, zuzuhören«, sagt der aufgeweckte Erzähler nachdenklich.

Inspiration findet er überall um sich herum: »Nichts ist so spannend wie die Menschen selbst und die Beziehungen untereinander. Die Geschichten sind seit Jahrtausenden immer wieder dieselben. Alles wiederholt sich.« Märchen aus Skandinavien und dem keltischen Raum hat er sich aus der Literatur erschlossen oder von Reisen mitgebracht. So unterschiedlich wie die Überlieferungen der weltlichen Regionen sind, so unterschiedlich ist auch ihre Erzähltradition. »Die verschiedenen Arten des Vortragens zu entdecken und die Unterschiede herauszuarbeiten, das macht mir Spaß.«, erklärt Andreas vom Rothenbarth, dessen persönliches Lieblingsmärchen der "Eisenhans" ist. »Wobei dies, je nach meiner persönlichen Befindlichkeit, auch schwankt«, fügt er schmunzelnd hinzu und verrät uns selbst auch ein eigenes Talent für das Geschichtenschreiben zu besitzen… »Gelegentlich kommen Geschichten zu mir. Und wenn ich das Glück habe, einen Stift dabei zu haben, dann schreibe ich sie auf.«

Warum es so wichtig für uns alle ist, wieder den Märchen zu lauschen, fällt ihm nicht schwer zu erklären: »Ganz einfach: Märchen sind ein Baustein im kulturellen Sockel unseres Wertesystems. In Märchen begegnen Kinder häufig zum ersten Mal Werten wie gut und böse oder dass man bittet und dankt. Diese ersten Grundlagen, die den Kindern in der heutigen Zeit oft fehlen, liefern Märchen in einleuchtender und schlüssiger Art. Wo keine Märchen erzählt werden, fehlt's eben daran.«
Von etwaigen besorgniserregenden Gewaltdarstellungen in Märchen wie "Hänsel und Gretel", die immer wieder kontrovers diskutiert werden, hält Andreas vom Rothenbarth übrigens nichts. »Es ist die verschobene Wahrnehmung, die durch unsere Mediengesellschaft geprägt wird. Die Bilder entstehen bei jedem Einzelnen im Kopf. Märchen liefern diese Bilder kaum. Sie haben zwar eine wortreiche Sprache zugleich jedoch kurze und knappe Darstellungen. Der Film, der im Kopf des Kindes abläuft, besteht nur aus den Bildern, die es aus seiner eigenen Erfahrung kennt. Wo es keine Gewalterfahrung gibt, werden auch keine Bilder der Gewalt auf die Sprache der Märchen übertragen. In den Märchen wird das Böse besiegt und Gerechtigkeit kehrt ein.«

Das klingt ganz nach einer Einladung, sich einmal mehr den Phantasien hinzugeben und in das große Reich der Märchen einzutreten. Fast überall findet der Märchenerzähler Andreas vom Rothenbarth Gelegenheit, seine Märchen wieder aufleben zu lassen…

in Schulen, Bibliotheken, in Restaurants und Kneipen, an einem Lagerfeuer oder in romantischem Gemäuer. Augenzwinkernd verrät er: »Die passende Atmosphäre entsteht überall, wo man ein Ohr für Märchen hat.«

Andreas vom Rothenbarth
Tel. 0361 2220044
www.rothenbarth.de

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