Der Ring der Elisabeth
„Guda!" schrie sie. Es war fürchterlich. Noch nie habe ich Elisabeth in einem solchen Zustand gesehen. „Guda! Sieh nur!" Elisabeth begann zu weinen. Als sie die Hand ausstreckte sah ihre Magd Guda, dass der große Stein am Ring, den ihr Elisabeths Mann, der Landgraf Ludwig von Thüringen geschenkt hatte, zerbrochen war.
„Der Ring der Elisabeth" von Philipp und Caroline von Ketteler bringt das von Helfen geprägte, viel zu kurze Wirken Elisabeths von Thüringen in Bildern und Sprache zum Leben. Aus der Sicht der Magd Guda und deren Dialog mit der jüngsten Tochter Elisabeths, Gertrud, gelingt es, ein Bild der Heiligen zu zeigen, wie diese ihren Weg konsequent für die Notleidenden ging.
Der Weg der Heiligen Elisabeth begann am 7. Juli 1207. Sie wurde als Tochter des ungarischen Königs geboren. Wie üblich ward für Elisabeth schon bald ein Mann ausgesucht, den sie heiraten musste. Die Wahl des Ungarnkönigs fiel auf den ältesten Sohn des Landgrafen von Thüringen. Andreas II von Ungarn schloss den Vertrag, der Elisabeth an Hermann von Thüringen band. Mit vier Jahren setzte der König seine Tochter in eine Kutsche und ließ sie in die Wartburg bringen. Mit an Bord war Guda, die spätere Magd der Elisabeth. Das Schicksal wollte es, dass Hermann noch vor der Hochzeit verstarb. Elisabeth wurde aber keineswegs zurück nach Ungarn geschickt. Sie verstand sich von Beginn an prächtig mit Ludwig, dem jüngeren Bruder Hermanns.
„Elisabeth war glücklich. Sie wusste, dass nicht viele Frauen ihrer Zeit das Glück hatten, den Mann zu heiraten, den sie liebten", erzählte Guda.
Die junge Königstochter und Landgräfin sah das Leben einfach, die Familie des Landgrafen nicht. Es prallten Ansichten gegeneinander, die nicht leicht zu vereinbaren waren. Elisabeth hatte offene Ohren für Arme, für Kranke, sie brachte ihren Untertanen zu essen. All das gefiel Ludwigs Familie gar nicht. Elisabeths Ehemann jedoch hielt an ihr fest.
Als es für Ludwig in den Kreuzzug zog, schenkte er seiner geliebten Frau seinen kostbaren Ring. „An dem Ring wirst Du sehen, wie es mir geht." Ludwig starb während des Kreuzzuges.
Elisabeth wurde bereits vier Jahre nach ihrem Tod von Papst Gregor IX im Jahre 1235 heilig gesprochen, denn die Landgräfin Elisabeth schwor ihrem Leben nach dem Tod Ludwigs auf der Wartburg ab, um sich ganz den Kranken und Armen zu widmen. „Der Ring der Elisabeth: Elisabeth von Thüringen - ihr Leben für Kinder erzählt" schildert das eindrucksvolle Hinwenden von der Königstochter und Landgräfin hin zur Beschützerin der Notleidenden. Elisabeth gab ihre Mittel für die Hungernden und Kranken. Sie ließ sich mit Konrad von Wartburg, ihrem Beichtvater, auf einen Kompromiss ein, der ihren Weg nur vollständiger machte: Sie sollte in Marburg ein Haus errichten, in dem sie sich um Kranke kümmern konnte.
Jeder sollte zu essen und trinken bekommen, Wärme und Medizin erhalten. Das Buch erzählt Kindern aber auch, dass Elisabeth ihre beiden Töchter und den Sohn für ihre Mission zurückgelassen hat. Als die jüngste Tochter Gertrud aus den Händen der Magd Guda den zerbrochenen Ring erhält, ist Elisabeth von Thüringen bereits tot. Ihre Kräfte schwanden beim Aufbau des Krankenhauses zusehends, sodass sie nur vierundzwanzigjährig verstarb.
Elisabeth von Thüringen, die Heilige Elisabeth, ist ein Mensch, der Geschichte gemacht hat. Unter diesem Aspekt erzählt dieses Buch in klassischen, realistisch gehaltenen großen Illustrationen den oft steinigen Weg der Elisabeth. Die Bilder unterstützen die Erzählweise intensiv. Hier wird Geschichte verständlich wohl dosiert zu Kindern gebracht.
„Der Ring der Elisabeth" behandelt eine großartige Frau mit Respekt und Aufmerksamkeit. In der Familie liest sich das Buch gewiss am Besten, denn dann stehen den Mädchen und Jungen die Erwachsenen für ihre Fragen zum großen Leben der Heiligen Elisabeth zur Verfügung.
Werner Eggenfellner
Philipp von Ketteler / Caroline von Ketteler:
Der Ring der Elisabeth - Elisabeth von Thüringen – Ihr Leben für Kinder erzählt
ISBN 978-3-402-00241-4
Aschendorff-Verlag
2. Auflage / 45 Seiten, durchgehend farbig illustriert, geb., 21 x 29,7 cm,
Bilder und Illustration: Aschendorff Verlag
Mehr Information: Aschendorff-Buchverlag.de



