Mein Papa arbeitet bei der Bundeswehr
Feldwebel-Boldt-Kaserne. Unteroffiziersschule des Heeres. Aktuelle Station: Delitzsch. Michael Peglow und Ronny Haacker sind Berufssoldaten und Familienväter.
"USH" steht auf den Schildern, denen ich bei
meiner Umrundung der Stadt Delitzsch folge. Die Abkürzung
steht für die Unteroffiziersschule des Heeres. Pünktlich
stehe ich an der Wache. Zutritt erhalte ich hier nur gegen Vorlage
meines Ausweises und mit vorheriger Genehmigung. Von zwei
Männern, einer in Uniform, der andere in Zivil, werde ich
offen und freundlich begrüßt - wenn auch "wie beim
Militär".
Der 38-jährige Michael Peglow ist in dritter Generation
Berufssoldat. Geboren im Saarland ist er nach seiner Kindheit in
Oberbayern, dem Studium in München und Stationen in einer
südbrandenburgischen und Kölner Kaserne seit vier Jahren
in Leipzig stationiert. Seit 2005 unterrichtet der Major
Feldwebelanwärter und Feldwebel, ist Truppenfachlehrer
für Militärgeschichte. Er ist Vater eines
achtzehnmonatigen Sohns.
»Mein Sohn müsste früh morgens schon kurz
nach sechs bei mir im Auto sitzen, um in die Krippe zu
kommen«, verrät Michael Peglow seinen innigsten Wunsch
und fügt zugleich schmunzelnd hinzu: »Wir haben
festgestellt, dass das nicht seinem Biorhythmus entspricht und auch
nicht gut für unsere Nerven ist« Also, begleitet die
Mama den kleinen Mann zur Krippe, bevor sie ihr täglicher Weg
zu der Bank führt, für die sie arbeitet. Für Michael
Peglow beginnt der Arbeitstag früh um viertel acht und endet
meist gegen 17 Uhr.
Michael Peglows Kamerad Ronny Haacker ist 33 Jahre alt und stammt
aus Mecklenburg-Vorpommern und blickt auf ein fast halbes Leben
Bundeswehr zurück: »Ich bin jetzt 14 Jahre bei der
Bundeswehr. An neun Dienstorten und davon sieben im Westen, habe
ich bereits gedient«. Wechselnde Dienstorte im gesamten
Bundesgebiet und unterschiedliche "Verwendungen" - wie die
Aufgaben bezeichnet werden, seien normal, erklärt er.
»Wenn man ledig und ungebunden ist, ist das kein Problem.
Aber man wird auch mit den Jahren kritischer. Lebensgefährten
müssen sich anpassen und wenn Kinder dazukommen, kann das
schon einiges verändern«, sagt Ronny Haacker und Michael
Peglow bestätigt: »Die Familie muss das Ganze mittragen.
Das kann sehr schwierig sein. Da steht regelmäßig die
Entscheidung' mitgehen und alles aufgeben oder
Wochenendbeziehung'.« Scheidungen seien nicht selten, aber es
könne auch funktionieren. Die Bundeswehr habe sich in der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon deutlich entwickelt, sind
sich beide sicher.
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Drei Jahre ist Ronny Haacker verheiratet und
Familienvater eines neunjährigen Sohnes und einer Tochter,
zweieinhalb Jahre alt. Seit 2006 ist er in Delitzsch als
Hörsaalleiter in Feldwebellehrgängen und in der
Fortbildung tätig. Früher hat seine Frau für ihn
alles aufgegeben - ihren gut bezahlten Job, die guten
Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Freunde und ihr gesamtes
Lebensumfeld - und ist ihm bei seinen letzten Einsätzen stets
gefolgt. Heute sind die Rollen der beiden eher vertauscht:
»Meine Frau hat Arbeit als PR-Managerin in Leipzig gefunden,
arbeitet Vollzeit und beharrt nun auf ihr Recht. Ich bin jetzt
derjenige, der die Kinder abholt, bei den Hausaufgaben hilft und da
ist, wenn sie krank werden. Auch das ist möglich«,
beschreibt Ronny Haacker. Wie heute zum Beispiel, als er am Mittag
seinen Vorgesetzten gebeten hat, seinen kleinen Sonnenschein mit
Fieber aus der Krippe abholen zu können.
Auch bei der Bundeswehr gibt es seit kurzem
ein neues Verständnis zum Thema Vereinbarkeit von Familie und
Beruf. Im vergangen Jahr gab es einen entsprechenden Erlass. Dienst
habe Vorrang, aber auf private Lebensumstände des Soldaten sei
Rücksicht zu nehmen.
Auslandseinsätze Kindern verständlich machen. Sie
gehören zum Beruf. Wenn die Kleinen es nicht verstehen oder
gar böse auf Papa oder Mama sind, dann hilft den Eltern Karl
der Bärenreporter. Mit einem Malbuch und demnächst einem
Hörbuch wird Kindern von Berufssoldaten erklärt, warum
sie das tun müssen.
Frauen bei der Bundeswehr und
Familiengründung sind ebenfalls keine Tabus mehr. In den
laufenden Lehrgängen in Delitzsch sind zum Beispiel etwa 20
Frauen. Mehr als fünfzig Prozent sind bei der Bundeswehr
generell im Sanitätsdienst weibliche Kameraden. Egal ob Frau
oder Mann, das Thema Familiengründung ist kein Tabu und wird
gleichermaßen angegangen. Manches kann möglich gemacht
werden, aber Dienstliches steht im Vordergrund.




